Workshop in Minsk

Energieeffiziente Gebäude in Osteuropa und Zentralasien

Wie wichtig ist die Energieeffizienz von Gebäuden in Belarus, Kasachstan, Russland und der Ukraine? Wie bringen Kommunen die finanziellen Mittel für Modernisierungen auf? Und wie kann man Immobilieneigentümer besser miteinbeziehen? Darum ging es beim Workshop der länderübergreifenden Dialogplattform „Urbane Energieinfrastruktur“ in Minsk.

Ein Jahr Länderdialog: Ein Netzwerk aus 170 Experten aus Belarus, Kasachstan, Russland und der Ukraine, drei Treffen zu Themen der urbanen Energieinfrastruktur und viele Ideen zur Steigerung der Energieeffizienz.

Der dritte Workshop 2018 im Rahmen der Länderdialogplattform fand nicht zufällig in Minsk statt: Abgesehen von guter Erreichbarkeit für zahlreiche Teilnehmer aus Kasachstan, Russland, der Ukraine und Deutschland, konnte man dort auch dem Deutsch-Belarussischen Energieforum beiwohnen, das die dena ebenfalls am 8. Oktober organisierte. So erhielten die Gäste beider Veranstaltungen die Möglichkeit, sich auszutauschen und ihr internationales Expertennetzwerk um wertvolle Kontakte zu erweitern. Unter den rund 40 Workshopteilnehmern waren Vertreter der Ministerien aller Länder, der Behörden der Wohnungs- und Kommunalwirtschaft und internationale Experten für Energieeffizienz im Bausektor. Auf der Tagesordnung stand eine breite Palette an Themen: Neubau und energetische Sanierung, Mehrfamilienhäuser und kommunale Gebäude.

Gebäude sind die Hauptenergieverbraucher in Kommunen

Die Vorträge haben gezeigt: Energieeffizienz im Baubereich steht durchaus auf der Agenda der jeweiligen Länderregierungen und das Gebäudethema nimmt vermehrt eine Schlüsselstellung für Kommunen ein. Dies ist nicht nur in Deutschland mit der Energiewende der Fall. Auch für die Länder Osteuropas und Zentralasiens wird Energieeffizienz immer wichtiger, jedoch aus etwas anderen Bedürfnissen heraus: Sie wollen durch Energieeffizienz Kosten senken und vorhandene fossile Ressourcen für den Export nutzen, um sich nötige Devisen zu verschaffen.
Eines haben alle Länder gemeinsam: Gebäude sind nach wie vor die Hauptenergieverbraucher in Kommunen – mit einem Anteil von circa 85 Prozent liegen sie deutlich vor den anderen Handlungsfeldern Stromnutzung (10 Prozent) oder Verkehr (5 Prozent).

Klamme Haushaltskassen in Kommunen erschweren Fortschritte bei Gebäudeeffizienz

In Minsk kamen über 40 Teilnehmer zusammen, um sich im Format eines runden Tisches zum Thema Energieeffizienz im Baubereich auszutauschen.

Belarus und Ukraine gehören zu den energiearmen Ländern, in denen der Modernisierungsfrage und Innovationen im Energieeffizienzbereich eine besondere Bedeutung zukommt. Nach Aussage von Galina Pavlova, Vertreterin des Ministeriums für Architektur und Bau der Republik Belarus, werden die Rahmenbedingungen und Normen in Belarus entsprechend fortschrittlich formuliert: Im Gegensatz zu den anderen Ländern, gehört dort eine isolierte Gebäudehülle beispielsweise zur Norm und wird bei der Abnahme kontrolliert. Auch in anderen Bereichen seien Normen teilweise sogar strenger als in Europa. In der Politik scheint es einen Konsens bezüglich der Anforderungen bei Neubau und Sanierungen zu geben, im Wege stehe jedoch oft die schwache Finanzkraft einzelner Kommunen.

Bewusstsein bei Wohnungseigentümern muss gestärkt werden

Auch in der Ukraine wird der gesetzliche Rahmen konsequent angepasst. Mittlerweile regeln Gesetze viele notwendige Bereiche: Die Ausstattung der Gebäude mit Messgeräten sowie Energiezertifikaten ist verpflichtend, und die Verantwortung der Hauseigentümer für das komplette Haus wird gesetzlich verankert. Die ersten Hauseigentümergesellschaften bilden sich. Für Vera Radchenko, Leiterin der Abteilung für die Entwicklung der Kommunalwirtschaft bei der Stadtverwaltung Kiew, ist eine Frage entscheidend: Wie können die Wohnungseigentümer zukünftig in den Prozess miteinbezogen werden? Es sei kaum vorstellbar, dass die Realisierung aller Modernisierungsmaßnahmen von den Wohnungseigentümern getragen werde. Ihr Bewusstsein und die Verantwortung für die Instandhaltung der Immobilie sowie für die Energiekosten des Gebäudes, müsse allerdings gestärkt werden – zum Beispiel durch Schaffung von Strukturen wie regelmäßige Treffen, Informationskampagnen und eine enge Einbndung in der Planungs- und Bauphase.

In Kasachstan wird zwar das Thema Green Technologie bei der Politik und insbesondere beim Präsidenten großgeschrieben. Es fehlt im Land aber nach wie vor an Umsetzungsmechanismen, guter Grundlage in den Kommunen und energieeffizienz-orientierter Tarifpolitik – die Strompreise sind sehr günstig und bieten keinen Anreiz zum Energiesparen.
 
In Russland ist das Thema Energieeffizienz im Baubereich dagegen bereits fest auf regionaler Ebene angekommen. Die Verwaltung von Lipetsk zum Beispiel ist laut Evgenii Lepekin, dem Abteilungsleiter Wohn- und Kommunalwirtschaft, dabei, nach den ersten umgesetzten Pilotprojekten alle Mehrfamilienhäuser der Stadt mit Smart Meter auszustatten.

Großes Interesse an Kooperationen mit Deutschland

In den Diskussionen war erneut die Offenheit für eine Kooperation mit Deutschland zu spüren. Die deutsche Wirtschaft und Wissenschaft haben in Osteuropa und Zentralasien einen hervorragenden Ruf als Vorreiter in Themen Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Diesen Ruf gilt es, bei einer verstärkten Zusammenarbeit im Rahmen der länderübergreifenden Dialogplattform noch weiter auszubauen.