Blue Inductive

Eines Tages werden wir Autos ohne Kabel laden

Das Freiburger Start-up Blue Inductive hat eine Technik entwickelt, mit der auch die Batterien großer Elektromotoren in kürzester Zeit und ohne Kabel geladen werden können. Hier erzählt Blue-Inductive-Mitgründer Florian Reiners, wie das funktioniert.

Ein Kommentar von Florian Reiners

Eines Tages, da bin ich mir sicher, werden wir keine Kabel mehr benutzen, um Elektroautos zu laden und Strom wird fast so einfach verfügbar sein wie heute WLAN. Warum ich mir so sicher bin? Weil ich gemeinsam mit meinen Mitgründern Johannes Meier, Johannes Tritschler und Benriah Goeldi die Technologie dafür schon entwickelt habe. Wir kennen uns vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, das aber schon lange viel mehr macht als nur Solarzellen. Dort haben wir eine induktive Ladetechnik für elektrische Fahrzeuge entwickelt – unsere Lösung eignet sich speziell für höhere Leistungen, so ab 500 Watt.

„Und dann laden wir unsere Autos ganz einfach, indem wir sie parken.“

Florian Reiners, Blue Inductive

Wir sind damals am Fraunhofer-Institut schon sehr am Puls der Zeit gewesen und haben uns intensiv mit induktiver Energieübertragung beschäftigt. Auf das Thema Elektroautos sind wir gestoßen, weil wir in einer Untersuchung gelesen hatten, dass es in der Regel zwei Gründe gibt, warum Kunden skeptisch gegenüber Elektroautos sind: Erstens, weil sie eine zu geringe Reichweite der Ladung vermuten, was sich in der Praxis aber eigentlich als unbegründete Sorge herausstellte. Zweitens aber gaben viele an, dass der Ladevorgang mit dem Ladekabel unkomfortabel sei, besonders bei Regenwetter und Schnee. Das war das größte Hemmnis.

Wir haben dafür eine sehr gute Lösung. Am Fraunhofer-Institut hatten wir einen Demonstrator entwickelt, also ein Modell, mit dem wir die technische Machbarkeit zeigen konnten: Wir haben einen VW Caddy umgebaut und mittels Induktion mit 15 Zentimeter Abstand vom Boden geladen. Eigentlich eine naheliegende Lösung für die Probleme in der Elektromobilität.

Wir konnten zeigen, dass auch bei der berührungslosen Energieübertragung sehr hohe Wirkungsgrade erreicht werden können. Was Leistung und Wirkungsgrad angeht, hat man kaum Nachteile gegenüber kabelgebundenen Ladegeräten. Da wir sehr überzeugt waren von der Technologie, haben wir uns 2015 selbstständig gemacht und 2016 Blue Inductive gegründet – mit dem Ziel, Elektroautos mit unserer Ladetechnologie auszustatten.

Florian Reiners, 37, hat sich 2015 gemeinsam mit Johannes Meier, Johannes Tritschler und Benriah Goeldi selbstständig gemacht, seit 2016 gibt es ihr Start-up Blue Inductive. Zuvor hatten die vier Gründer am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISI) ein sogenanntes hocheffizientes System zur induktiven Ladung von Elektrofahrzeugen entwickelt, mit dem Fahrzeuge ohne Kabel über 15 cm Abstand durch eine Bodenplatte geladen werden können. Blue Inductive war im Jahr 2017 Finalist beim Start Up Energy Transition Award der dena.

Aber der Automarkt ist schwierig. Die Hersteller und Kunden sind relativ konservativ und die Einstiegshürden sind sehr hoch für ein junges Start-up. Mit Blue Inductive werden wir uns daher erst einmal auf industrielle Anwendungen, insbesondere auf mobile Roboter in der Logistik und Produktion, konzentrieren. Der Markteinstieg in diesem Segment ist wesentlich einfacher und die Vorteile für die Anwendung liegen auf der Hand. Die Roboter können kurze Standzeiten innerhalb eines Prozesses nutzen, um ihre Batterien nachzuladen. Durch dieses ständige Zwischenladen werden extra Ladepausen überflüssig. Heute müssen die oft für längere Zeit an speziellen Ladestationen stehen und sind währenddessen für den Produktionsprozess nicht verfügbar. Auf diese Art lässt sich viel Geld sparen, weil man deutlich weniger Roboter braucht. Wir haben unsere Pilottests erfolgreich abgeschlossen, 2018 gehen wir auf den Markt. Aber natürlich ist mobile Robotik nur ein Anwendungsfall von vielen möglichen – man könnte so selbstverständlich auch Rollstühle, Elektroroller, Golfcarts und alle elektrisch betriebenen Fahrzeuge laden.

Und das ist nur der Anfang. Irgendwann wird so eine Induktionslösung auch für Elektroautos kommen. Und dann laden wir unsere Autos ganz einfach, indem wir sie parken.