Effizienzhausstandards in China: Zehn Jahre erfolgreiche Kooperation

Die dena engagiert sich seit über zehn Jahren für klimafreundliches Bauen in China: Durch den Know-how-Transfer verbessern sich die Marktbedingungen für innovative Technologien und immer mehr Provinzen führen Effizienzhausstandards ein.

Xiong’an wird eines der Verwaltungszentren der 80-Millionen-Metropolregion JingJinJi rund um Beijing. Die dena hat den Auftrag, das zunächst nach normalen chinesischen Standards geplante Regierungsgebäude in ein Effizienzhaus mit Passivhaustechnologien zu verwandeln. Foto: dena

Ein Drittel des Energiebedarfs in China entfällt auf den Bausektor und alle zwei Jahre wird circa so viel Wohnfläche in China neu gebaut, wie derzeit in Deutschland insgesamt existiert. Energieeffizientes Bauen wird damit zum Schlüsselfaktor für die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft in den kommenden Jahren.

Porträtfoto: Yu Chuai

„Es gibt mittlerweile zwei Passivhaus-Standards in den Provinzen Hebei und Shandong, sowie Passivhaus-Richtlinien in Peking und Qingdao.“

Yu Chuai, Senior Expert Architect bei der dena

Darüber hinaus verfolgt die chinesische Regierung seit ihrem zwölften Fünfjahresprogramm (2011 bis 2015), in dem es seine sozioökonomische Entwicklung definiert, ehrgeizige Ziele hinsichtlich einer ressourcensparenden, energieeffizienten und emissionsfreien Wirtschaft und Gesellschaft. Immer mehr Provinzen wollen die damit verbundenen Vorgaben im Bereich „Gebäudeeffizienz“ auch auf lokaler Ebene umsetzen.

Leuchttürme für Energieeffizienz

Diese positive Entwicklung ist eng verknüpft mit den Erfolgen deutsch-chinesischer Pionierarbeit in den letzten 10 Jahren: Politisch unterstützt durch das deutsche Bauministerium hat die dena bereits 2006 begonnen, Effizienzstandards für chinesische Wohn- und Bürogebäude zu entwickeln, die sich an deutschen Referenzwerten orientieren.

Gemeinsam mit dem Center of Science and Technology of Construction (CSTC), einer Unterabteilung des chinesischen Ministry of Housing and Urban Development (MoHURD), hat die dena seit 2010 eine Vielzahl von Leuchtturmprojekten initiiert:

  • Die Gebäudetypen der derzeit über 35 Pilotprojekte reichen von Schulen und Kindergärten über Büro-  und Apartmentgebäude bis hin zu Luxusvillen, Denkmälern und Museen.
  • Sie verteilen sich auf zwölf Provinzen und sind in vier verschiedenen Klimazonen angesiedelt.
  • Auf einer jährlich stattfindenden „Roadshow“ werden dabei gewonnene Erfahrungen vermittelt.
  • Bisher haben sich 37 Städte mit über 5.000 lokalen Entscheidungsträgern und Experten beteiligt.

Die „Leuchttürme“ sollen als Vorbild für weitere Bauvorhaben in China dienen. Dabei werden die Einführung und Einhaltung von Effizienzstandards für die entsprechenden Gebäudetypen getestet und beteiligte Akteure geschult.

Deutsche Effizienzhaushaustechnologien setzen sich so auf dem chinesischen Markt immer weiter durch. Inzwischen ist auch bei Endverbrauchern eine Nachfrage für energiesparende Häuser zu bemerken: Der Mehrwert für sie liegt in einer gesunden und komfortablen Wohn- und Lebensatmosphäre in den von Smog geplagten Großstädten Chinas.

33 %
des Energiebedarfs in China
entfällt auf den Bausektor.
Alle 2
Jahre
baut China circa so viel neue Wohnfläche, wie derzeit in Deutschland insgesamt existiert.
Über 35
Pilotprojekte
werden derzeit durchgeführt.
12
Provinzen
in vier Klimazonen realisieren ihre Projekte gemeinsam mit der dena.

Provinzen setzen Standards

Auch die politischen Rahmenbedingungen für Effizienzhäuser verbessern sich in China stetig. Nach der Fertigstellung des ersten Pilotprojekts in der Provinz Hebei – der Vorzeigeregion für energieeffizientes Bauen in China, wurde der dort verwendete Effizienzhausstandard als regionaler Standard festgelegt. Anders als in Deutschland werden Effizienzhausstandards auf regionaler und nicht auf nationaler Ebene festgelegt. Auch die Provinzen Helongjiang, Shandong und Jiangsu führten regionale Effizienzhausstandards nach Abschluss von dena-Pilotprojekten ein.

Im Zuge des 13. Fünfjahresplans (2016 bis 2020) sind weitere Förderprogramme für die Verbreitung von Standards für energieeffizientes Bauen vorgesehen. Insbesondere um die Hauptstadt Beijing herum ist in den nächsten Jahren eine Vielzahl neuer Arbeits- und Wohnquartiere geplant, um das Ziel der chinesischen Zentralregierung zu verwirklichen: den Bau der 80-Millionen-Metropolregion JingJinJi. Die Behörden haben für einige dieser Quartiere bereits den Effizienzhausstandard als Minimum vorgegeben.

Neue Märkte erschließen

Auch die größten Immobilienentwickler Chinas zeigen zunehmend Interesse für die flächendeckende Umsetzung von Effizienzhäusern. Seit 2014 gibt es mehrere Unternehmens- und Technologieallianzen für Gebäudeeffizienz.

Maßnahmen der Qualitätssicherung spielen dabei eine besondere Rolle: Die dena hat bei der Umsetzung der Leuchtturmprojekte einen besonderen, ganzheitlichen Prozess zur Qualitätssicherung entwickelt. Dieser umfasst sowohl die fachgerechte Planung, Überprüfung der Bauausführung, Produktauswahl und Projektsteuerung als auch die Schulung von Facharbeitern. Das von der dena eingeführte Qualitätssicherungs-Verfahren hat sich mittlerweile auf dem Markt etabliert und wird von chinesischen Akteuren auch auf eigene Geschäftsfelder übertragen.

Auch in Zukunft wird die dena die dynamische Entwicklung im Bereich „Gebäudeeffizienz“ weiter begleiten. Themen wie Plusenergiehäuser, Fertigbau, serielle Sanierungsansätze sowie Aus- und Weiterbildung werden dabei an Bedeutung gewinnen.

Drei Fragen an Yu Chuai

dena-Expertin für energieeffiziente Gebäude in China

Frage 1: Zehn Jahre Leuchtturmprojekte im Bereich energieeffizientes Bauen – was ist das Geheimnis des Erfolgs?

Das Geheimnis besteht aus meiner Sicht aus drei Punkten: Erstens ein starker Kooperationspartner (CSTC), der seit Beginn der Zusammenarbeit sehr eng mit uns kooperiert und viel mit uns über den Ansatz und die anstehenden Aufgaben diskutiert. Zweitens ein für den chinesischen Markt ausgearbeitetes Konzept, welches Innovation und Energieeffizienz anstrebt, gleichzeitig aber auch die chinesische Arbeitsweise und das chinesische Klima berücksichtigt und drittens ein anpassungsfähiges Team, welches mit sehr hoher Eigenverantwortung, Flexibilität und Kompetenz die Projektumsetzung unterstützt.

Frage 2: Wie verändern sich die politischen Rahmenbedingungen und der Markt für energieeffizientes Bauen in China?

Das Interesse an energieeffizientem Bauen steigt stetig, sowohl auf politischer Ebene als auch seitens des Marktes. Es gibt mittlerweile zwei Passivhaus-Standards in den Provinzen Hebei – daran hat die dena maßgeblich mitgearbeitet – und Shandong, sowie Passivhaus-Richtlinien in Peking und Qingdao. Darüber hinaus sind unterschiedliche Förderungen und Maßnahmen für energieeffizientes Bauen entwickelt worden. Unsere erfolgreichen Pilotprojekte habe dabei in vielen Provinzen den „Stein ins Rollen gebracht“.

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