Die Bundestagsfraktionen zur Energiewende

Drei Fragen an: Bernd Westphal, SPD

dena: Welche drei Themen würden Sie als erstes auf die Tagesordnung setzen, um Energiewende und Klimaschutz in der nächsten Legislaturperiode voranzubringen und warum?

Bernd Westphal: Ich würde folgende drei Themen auf die Tagesordnung setzen:

  1. Neben dem weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien sind alternative Instrumente zur Finanzierung der Energiewende zu prüfen. Die Einbeziehung des Wärme- und des Verkehrssektors bedarf einer anderen Förderstrategie. Das gilt für die Umlagefinanzierung insgesamt und für die Netzentgeltsystematik im Besonderen. Es bedarf einer Vereinfachung der Förderstruktur und Transparenz in der Zielverfolgung.
  2. Voranbringen des Übertragungsnetzausbaus von Nord nach Süd, um den Strom von den Windkraftanlagen im Norden in die Industriezentren transportieren zu können.
  3. Steigern der Energieeffizienz in allen Bereichen, um im Gebäudebestand das Einsparpotenzial zu erschließen, die fossil betriebenen Energieanlagen, die zusammen mit den Erneuerbaren unsere Energieversorgung sicherstellen, zu modernisieren und das Verteilnetz durch Digitalisierung auf die hohen Flexibilitätsanforderungen auszurichten. Nur dann wird es uns gelingen, auch die Akzeptanz für die Energiewende in den Regionen zu erlangen, die vom Strukturwandel betroffen sind. Sie würden zu Vorzeigeregionen für energieeffizientes Wirtschaften.

„Durch eine bessere Nutzung der Stromnetze können wir eine Kapazitätssteigerung erreichen, sodass der Netzausbau wahrscheinlich nicht in dem vorgesehenen Maße erfolgen muss.“

Bernd Westphal, MdB und Sprecher der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Energie der SPD-Bundestagsfraktion

dena: Welche Maßnahmen würden Sie vorschlagen, um die Sektoren Strom, Gebäude, Verkehr und Industrie in einem intelligenten Energiesystem zusammenzubringen?

Bernd Westphal: Im Rahmen des Strommarktgesetzes werden in fünf sog. Schaufenster-Projekten mittels Digitalisierung neue Verfahren für eine sichere und stabile Stromversorgung bei sehr hohen Anteilen an erneuerbaren Energien erprobt, um Einspeisung und Verbrauch zeitlich auszutarieren. Gerade weil wir für Sektorenkopplung mit Ausnahme Norddeutschlands noch nicht ausreichend Strom aus Erneuerbaren haben, ist eine optimale Zusammenfügung von erneuerbaren und fossilen Energieanlagen anzustreben. Wir brauchen größtmögliche Transparenz in der Umsetzung von Maßnahmen, um die Akzeptanz der Energiewende nicht zu gefährden. Sinnvoll wäre eine stärkere Nutzung von Strom und industrieller Abwärme aus Industriebetrieben für die Energieversorgung von Städten. Und der öffentliche Nahverkehr und regionale Verkehrsflotten sollten umgestellt werden auf innovative Antriebssysteme wie Elektrobusse, batteriebetriebene Taxen und Postfahrzeuge usw.

dena: Welche Energieinnovation halten Sie für besonders Erfolg versprechend?

Bernd Westphal: Ich halte Innovationen in Speichertechnologien für erfolgsversprechend, um die zeitliche Ungleichheit von Einspeisung und Verbrauch und damit Schwankungen im Stromnetz durch Regelenergie aus Speichern auszugleichen. Und innovative Netztechnologien; durch den Einsatz neuer Technologien ist es möglich, sowohl die Verteil- als auch Übertragungsnetze effizienter und flexibler zu betreiben, besser steuerbar zu machen und das Datenmanagement durch den konsequenten Einsatz digitaler Technologien zu verbessern. Hierzu gehören u.a. witterungsabhängiger Freileitungsbetrieb, regelbare Ortnetztransformatoren und Speicheranlagen, digitale Schutz- und Leittechnik sowie Geoinformationssysteme. Durch eine bessere Nutzung der Stromnetze können wir eine Kapazitätssteigerung erreichen, sodass der Netzausbau wahrscheinlich nicht in dem vorgesehenen Maße erfolgen muss. Die drei großen HGÜ-Leitungen werden allerdings in jedem Fall benötigt, um den Strom vom Norden in den Süden zu transportieren.