"Die Energieeffizienz im Wohnbestand ist eine Priorität unserer Energiepolitik"

Seit 2017 setzt die Republik Usbekistan eine neue Politik im Energiesektor um. Eine gute Grundlage für die Erweiterung der Kooperationen mit der dena und deutschen Unternehmen. Dazu haben wir mit dem stellvertretenden Minister für Wohnungswesen und kommunale Dienstleistungen der Republik Usbekistan, Herrn Nasirjon Nasirow, gesprochen.

Nasirjon Nasirow, stellvertretender Minister für Wohnungswesen und kommunale Dienstleistungen der Republik Usbekistan

Herr Nasirow, welche Ziele verfolgt die Regierung Usbekistans im Bereich der Energieeffizienz?

Die Verbesserung der Energieeffizienz und die Einführung energieeinsparender Technologien sind wichtige strategische Aufgaben für alle Volkswirtschaften. Das gilt auch für Usbekistan. Die effiziente Nutzung von Energie schont die Umwelt und stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Der Präsident von Usbekistan, Shavkat Mirziyoyev, unterzeichnete eine Reihe von Staatsprogrammen zur Erhöhung der Energieeffizienz und zur Förderung erneuerbarer Energien. Die Regierung ist fest entschlossen, die Energienutzung unseres Landes zu diversifizieren, den Anteil erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung bis 2030 auf 25 Prozent zu steigern sowie internationale Standards des Energiemanagements zu implementieren. Energieeffizienz spielt auch eine wichtige Rolle für Neubau und Sanierung der Wohngebäude und Industrieobjekte in Usbekistan.

Die Steigerung der Energieeffizienz im Wohnbestand ist heute eine der wichtigsten Prioritäten der staatlichen Energiepolitik, an deren Umsetzung unser Ministerium arbeitet. Die Verbesserung der Gebäudeleistung und die Reduzierung des Energieverbrauchs in Wohngebäuden sind für einen angemessenen Wohnkomfort notwendig.

Derzeit bezahlen sowohl die Bevölkerung als auch die Behörden verschiedener Ebenen die Wärmeverluste in offenen Treppenhäusern oder in ungedämmten Dach- und Kellergeschossen. Ursachen dafür sind alte Fenster, nicht renovierte Fassaden und veraltete Anlagen. Damit werfen wir Geld im wahren Sinne des Wortes zum Fenster hinaus. Wir sprechen hier von riesigen Energieverlusten, die man vermeiden könnte. Deswegen sollen entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden, die eine breit angelegte Einführung energieeinsparender Technologien und erneuerbarer Energien fördern.

Wie will die Regierung die erklärten Ziele umzusetzen? Welche wirtschaftlichen Maßnahmen wurden entwickelt, um die Erneuerbaren- und Energieeffizienzprojekte zu fördern?

Um die festgelegten Ziele zu erreichen wurde ein ganzes Paket entsprechender Verordnungen verabschiedet. Ich werde einige nennen, die besonders wichtig sind.

Eine ganze Reihe von Rechtsvorschriften sieht verschiedene Arten von Unterstützung und Anreizen sowohl für Hersteller von Anlagen für erneuerbare Energien als auch für Verbraucher vor. So werden „grüne“ Energieerzeuger, auch in nichtstaatlichem Besitz, für einen Zeitraum von zehn Jahren ab Inbetriebnahme von der Vermögenssteuer auf erneuerbare Energieanlagen sowie von der Grundsteuer auf die von diesen Anlagen genutzten Grundstücke befreit.

Usbekische Bürgerinnen und Bürger, die erneuerbare Energiequellen in ihren Wohngebäuden nutzen, sind ebenfalls von der Vermögens- und Grundsteuer befreit, sofern sie für drei Jahre ab dem Monat der Inbetriebnahme der erneuerbaren Anlagen das bestehende, herkömmliche Energienetz nicht nutzen.

Darüber hinaus soll laut Erlass des Präsidenten der Republik Usbekistan bei Neubau und energetischen Sanierungen von öffentlichen Gebäuden sowie im Wohnbestand die Einführung energieeffizienter und energiesparender Technologien berücksichtigt werden. Für alle Objekte, mit Ausnahme der Einfamilienhäuser, besteht eine Installationspflicht für Energiesparlampen sowie für zertifizierte Solaranlagen zur Warmwasserversorgung.

Die Länderübergreifende Dialogplattform Urbane Energieinfrastruktur

Mit der Länderübergreifenden Dialogplattform Urbane Energieinfrastruktur in Osteuropa und Zentralasien fördert die dena die Zusammenarbeit zwischen politischen und wirtschaftlichen Akteuren in Kasachstan, Usbekistan, Belarus, Russland und der Ukraine. Deutsche Unternehmen werden von der dena bei der Markterschließung in diesen Ländern unterstützt.

Wie ist die Situation auf dem Gebiet der Wärmeversorgung der Wohngebäude in Usbekistan?

Das Fernwärmesystem Usbekistans wurde in den Jahren 1950-1970 nach dem Schema der offenen Wasserverteilung mit einem abhängigen Anschluss der Gebäudeheizanlagen ans Fernwärmenetz konstruiert. Solche Systeme, die preiswert bei der Installation, aber teuer im Betrieb sind, zeichnen sich durch eine kurze Lebensdauer der Heizanlagen und Wärmeleitungen, hohe Betriebskosten und einen Wärmeverbrauch aus, der Normalwerte deutlich übersteigt. Da die Anlagen und Rohrleitungen verschlissen sind, sind die Wärmeerzeuger nicht optimal ausgelastet, was sich negativ auf die Versorgung der Verbraucher mit Fernwärme und Warmwasseraufbereitung auswirkt.

Der Abnutzungsgrad der Kesselanlagen beträgt heute 70-100 Prozent. Bis zu 65 Prozent der Fernwärmenetze müssen umfassend saniert werden. Der Wirkungsgrad der veralteten Kessel ist niedrig (75 Prozent). In einigen Mehrfamilienhäusern, die von Fernwärmenetzen abgekoppelt sind, verwenden Bewohner Gas- und Elektrogeräte, die oft keine Zertifizierung haben und nicht brandsicher sind.

Welche Bereiche müssen besonders dringend modernisiert werden?

In der aktuellen Situation halten wir eine breitangelegte Einführung der Energieeffizienz-Technologien sowohl in Fernwärmenetzen als auch in Mehrfamilienhäusern für eine dringende Notwenigkeit. Dazu gehört auch die Entwicklung dezentraler Wärmeversorgung in Mehrfamilienhäusern. Deutsche Unternehmen sind mit ihrem Know-how und mit innovativen Technologien auf unserem Markt willkommen.

Neben staatlichen Förderinstrumenten stellt die Anwerbung innovativer Technologien und Investitionen einen der bedeutenden Hebel dar, um die Ziele der energetischen Modernisierung des Landes zu erreichen.

Was versprechen Sie sich von der Teilnahme Usbekistans an der länderübergreifenden Dialogplattform „Urbane Energieinfrastruktur in Osteuropa und Zentralasien“ der Deutschen Energie-Agentur?

In erster Linie interessieren wir uns für umgesetzte Best Practice-Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz und die passenden Finanzierungsmodelle. Wir freuen uns auf den Dialog und den Austausch mit Expertinnen und Experten anderer Länder im Rahmen dieser Plattform. Wir sind überzeugt, dass unsere Zusammenarbeit zu einem besseren Bewusstsein für Energieeffizienz und zu erfolgreichen Projektideen beitragen wird!

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