Deutsch-Chinesische Energiepartnerschaft: Klimaschutz für die chinesische Industrie

Der Energieverbrauch in der chinesischen Industrie steigt und führt zu hohen Kosten und Umweltproblemen. Ein dena-Projekt im Rahmen der Deutsch-Chinesischen Energiepartnerschaft zeigt, wie chinesische Unternehmen mit deutscher Unterstützung ihre Emissionen senken können. Das soll zum Nachahmen motivieren.

dena-Experten besichtigen ein Kohlekraftwerk in der chinesischen Provinz Henan. Das Unternehmen ist eins der Leuchtturmprojekte, das die dena und ihre Projektpartner zu Energieeffizienzmaßnahmen berät. Quelle: China Resources Power Henan Shouyangshan Co., Ltd Foto: Neng Yang

Die dena begleitet sechs Unternehmen in China dabei, mit hocheffizienten Technologien und Erfahrungen aus Deutschland Energie und CO2-Emissionen zu senken. Eines davon ist das Zementwerk in der Provinz Hubei, rund 800 Kilometer westlich von Shanghai. dena-Experte Tobias Kampet hat dabei zunächst die technischen Anlagen analysiert. „Nach meiner ersten Einschätzung könnte das Unternehmen mit effizienteren Zementmühlen mindestens 23 Gigawattstunden Strom im Jahr einsparen. Das entspricht etwa dem Stromverbrauch von 10.000 deutschen Einpersonenhaushalten.“ Die deutschen und chinesischen Projektpartner haben das Zementwerk gemeinsam ausgewählt. Die anderen fünf Unternehmen gehören der Keramik-, der Glasfaser-, der Zellstoff- und Papierindustrie sowie der Energieerzeugung an. Auch der internationale Flughafen in Peking soll eines der Leuchtturmprojekte werden.

In seiner Bestandsaufnahme bezieht der Ingenieur auch typische Querschnittstechnologien mit ein, dazu gehören zum Beispiel elektrische Motoren, Pumpen oder Beleuchtungssysteme. „Der Fokus auf Querschnittstechnologien ermöglicht es, Einsparpotenziale großflächig und branchenübergreifend zu erschließen, da sie in sehr vielen Industriebetrieben vorkommen, unabhängig von der Branche und Unternehmensgröße“, erläutert Kampet.

72 %
des Stromverbrauchs
entfällt in China auf den Industriesektor
Ca. 65 %
des Stroms der chinesischen Industrie
wird von Elektromotoren verbraucht
4155
Terawattstunden betrug der Stromverbrauch
des chinesischen Industriesektors im Jahr 2015
226
Terawattstunden betrug der Stromverbrauch
des deutschen Industriesektors im Jahr 2016

„Rund 68 Prozent von Chinas Energieverbrauch entfallen auf die Industrie. Durch die Durchführung von Energiediagnosen nach deutschem Vorbild und darauf aufbauenden Energieeffizienzmaßnahmen tragen wir dazu bei, dass Life Cycle Costs bei künftigen Projekten im Energiebereich bessere Berücksichtigung finden und relevante Standards in China entsprechend angepasst werden.“

Sandra Retzer, Leiterin Nachhaltige Urbanisierung, Transport und Energie der GIZ in China

Im Vorfeld und während der Werksbegehung erfolgt eine gezielte Datenabfrage, die Teil einer umfassenden Energiediagnose ist. Auf ihrer Grundlage kann die dena den Unternehmen wirtschaftlich interessante Maßnahmen vorschlagen. „Dabei versuchen wir auch, die Bedeutung von Lebenszykluskosten zu vermitteln, “, erklärt Kampet weiter. Bisher betrachten die wenigsten Unternehmer die Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts, zu denen auch die Ausgaben für Energie und Wartung gehören.

Im nächsten Schritt ist geplant, dass die chinesischen Unternehmen die empfohlenen Maßnahmen umsetzen und dabei deutsche Erfahrungen und Technologien einbeziehen. Anschließend sollen die Einsparerfolge in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. „Ich bin optimistisch, dass dies weitere chinesische Unternehmen motiviert, ebenfalls in effiziente Technologien zu investieren. So können wir mit dem Projekt einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energieeffizienz leisten. Außerdem unterstützen wir deutsche Unternehmen dabei, ihre Produkte zu exportieren und Geschäftsbeziehungen in China auf- und auszubauen.“

Die Deutsch-Chinesische Projektpartnerschaft

Das „Musterprojekt Energieeinsparung in der chinesischen Industrie“ setzen die dena und die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Rahmen der Deutsch-Chinesischen Energiepartnerschaft um. Ziel der Energiepartnerschaft ist es, sich fachlich auszutauschen und innovative, landesspezifische Lösungsansätze für die Herausforderungen der Energiewende zu entwickeln. Dies trägt sowohl zum Klimaschutz als auch zur Entschärfung des globalen Wettbewerbs um Energierohstoffe bei. Langfristig erhöht es auch die Versorgungssicherheit beider Länder. Von chinesischer Seite ist das National Energy Conservation Center (NECC) beteiligt, das sich mit der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform (NDRC) abstimmt. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.



 Steffen Joest
Stellv. Bereichsleiter Energiesysteme und Energiedienstleistungen

Steffen
Joest

Deutschland ist einer der erfolgreichsten Anbieter von Energieeffizienzprodukten und -dienstleistungen weltweit. China hat einen sehr hohen Energieverbrauch, insbesondere in der Industrie, und ist mittlerweile der größte Treibhausgasemittent der Welt. Deshalb kann Deutschland mit Energiewendelösungen in China wahrscheinlich mehr bewirken als im eigenen Land. Dazu wollen wir mit unserem Musterprojekt einen Beitrag leisten.

transition 2019

Das Thema urbane Energiewende steht im Fokus der neuen Ausgabe des dena-Unternehmensmagazins „transition“. In Reportagen, Interviews, Grafiken und Analysen beleuchtet das Magazin den Fortschritt der integrierten Energiewende, stellt interessante Menschen und Ideen vor und liefert Geschichten, Zahlen und Fakten zur dena und ihren Projekten. Zur Onlineausgabe

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