Berlin Energy Transition Dialogue

Towards a global Energiewende

Auf dem „Berlin Energy Transition Dialogue“ 2017 diskutierten Entscheider und Experten aus 80 Ländern, wie sich die weltweite Energieversorgung zukunftssicher gestalten lässt. Und was hat die dena damit zu tun?

„Es gibt so viele Energiewenden, wie es Länder gibt.“ Mit diesen Worten kündigte Siemens-Vorständin Lisa Davis aus den USA ihre Teilnahme am diesjährigen Berlin Energy Transition Dialogue (BETD) an – und brachte damit gleichzeitig eine der Herausforderungen auf dem Weg zu einer erfolgreichen globalen Energiewende auf den Punkt.

Wer auf dem grünen Energiewende-Sofa des BETD sitzt, bekennt sich zur globalen Energiewende. Hier Thembisile Majola, stellv. Energieministerin Südafrika, auf dem BETD 2017. Übrigens: Das Sofa reist nicht nur um die Welt, sondern twittert sogar @greensofa_betd.

Vertreter von Politik und Wirtschaft aus 80 Ländern trafen sich zum dritten Mal im Auswärtigen Amt, um über dieses entscheidende Thema zu beraten. Sie alle vereint mittlerweile ein Ziel: das Klimaabkommen von Paris. Doch jedes Land ist dabei mit unterschiedlichen Aufgaben konfrontiert. Bei einem internationalen Austausch wie auf dem BETD können die Länder voneinander lernen, Synergien eingehen und gemeinsam eine sichere, nachhaltige und leistbare globale Energieversorgung gestalten, die zum Erreichen der Klimaziele beiträgt.

Rund 2.000 Regierungsmitglieder, Energieexperten und Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft kamen dieses Jahr im März auf dem BETD zusammen. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries gab zusammen mit Außenminister Sigmar Gabriel den Auftakt und erklärte Berlin erneut für eine Woche zur „Hauptstadt der globalen Energiewende“.

„Energieeffizienz und Erneuerbare können bis zum Jahr 2050 zu 90 Prozent der CO2-Reduktion beitragen.“

Adnan Z. Amin, Generaldirektor der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien

Als Basis für den Dialog stellten die Internationale Energieagentur (IEA) und die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) ihre neue gemeinsame Studie „Perspectives for the Energy Transition“ vor. Sie bestätigt: Die globale Energiewende ist machbar, bezahlbar und ökologisch wie ökonomisch sinnvoll. „Energieeffizienz und Erneuerbare können bis zum Jahr 2050 zu 90 Prozent der CO2-Reduktion beitragen“, so IRENA-Chef Adnan Z. Amin. Er mahnte jedoch zur Eile und hob hervor, dass Verzögerungen bei der Umsetzung die Kosten in die Höhe treiben würden. Fatih Birol, der Generalsekretär der IEA, fügte hinzu: Zum Erreichen der Klimaziele brauche es gar nicht mehr, sondern nur anders verteilter Gelder – mehr Investitionen in Energieeffizienz und Erneuerbare, weniger in fossile Energieträger.

Konferenz, Abendveranstaltung, Touren: der BETD in Bildern

BETD-Abendveranstaltung

In sechs Kategorien wurde der „Start Up Energy Transition“ Award bei der feierlichen Preisverleihung im Kino International vergeben. Mehr lesen

Guided Tours BETD 2017

Mit dabei: Teilnehmer aus 30 Ländern, 28 Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen zur Energiewende, neun Touren und zwei VIP-Touren Mehr lesen

Die dena – im Dialog und vor Ort

Gemeinsam mit dem Bundesverband Erneuerbare Energien, dem Bundesverband Solarwirtschaft und dem Beratungsunternehmen eclareon organisierte die dena den BETD für die Bundesregierung. Denn als „Agentur für angewandte Energiewende“ bringt sie Akteure aus Politik und Wirtschaft in den Dialog, berät sie zu energiepolitischen Fragen und treibt die Energiewende auch international voran.

Ihre Erfahrung sammelt sie dabei in konkreten Projekten vor Ort. Mit dem Renewable-Energy-Solutions-Programm beispielsweise unterstützen die dena und das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) deutsche Firmen beim Export von klimafreundlichen Energielösungen. In bislang 58 Ländern hat die dena bereits 75 Pilotprojekte initiiert, von Solardächern in Südafrika und Taiwan über ein Hybridsystem aus Kleinwind und Photovoltaik in der Mongolei bis hin zur ökologischen Holzheizanlage in Japan.

 Diese Erfahrungen auf internationaler Ebene zu teilen und Kooperationsprojekte zu initiieren, war der dena bei der Gestaltung des umfangreichen BETD-Rahmenprogramms besonders wichtig. Vor und nach den Konferenztagen bot sie den Teilnehmern aus aller Welt in zahlreichen geführten Touren die Chance, innovative Energieunternehmen und -projekte in Berlin und Umgebung kennenzulernen.

Wie kann die Politik Investitionen in Klimaschutz auslösen?

„Die Politik muss klare Signale setzen. Nur so können sich Unternehmen und Investoren orientieren.“

Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks

Bedarf für Anlagen und Projekte dieser Art ist auf der ganzen Welt vorhanden. Meist scheitert eine konkrete Umsetzung jedoch am fehlenden Kapital. Wie man Investitionen in Erneuerbare und Energieeffizienz auslösen kann, war deshalb eine der zentralen Fragen auf der Konferenz. Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks appellierte an alle Teilnehmer: „Die Politik muss klare Signale setzen. Nur so können sich Unternehmen und Investoren orientieren.“

Als Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft organisierte die dena dazu schon vor Beginn der Konferenz zwei sogenannte Business-to-Government-Dialoge – dieses Jahr mit den Ländern Kolumbien und Iran. Die Dialoge sollen Regierungsvertreter und Unternehmer des jeweiligen Landes mit potenziellen Investoren zusammenzubringen. Hochrangige Delegationen aus beiden Nationen präsentierten dabei ihre Energiemärkte und stellten die aktuellen Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien und Energieeffizienz vor.

Kolumbiens Energieminister Germán Arce etwa erklärte, dass sein Land sehr unter den Auswirkungen des Klimawandels leide – Stichwort El Niño. Er warb um Geldgeber und Experten für den Ausbau alternativer Energieträger, da insbesondere das Potenzial für Wasserkraft in dem flussreichen Land sehr groß sei.

Energieminister Germán Arce beim Business-to-Government-Dialog Kolumbien

Die dena ist in dem lateinamerikanischen Land schon länger aktiv. In der Region Neiva am Rio Magdalena hat sie 2015 das bayerische Unternehmen Smart Hydro Power dabei unterstützt, im Ausland Fuß zu fassen. Ziel von Geschäftsführer Karl Kolmsee ist es, saubere Energie in die entlegensten Gebiete der Erde zu bringen. Wo vorher ein alter Dieselmotor stand, pumpt nun seine hydrokinetische Turbine das Wasser auf die Felder der „El Manso“-Reisfarm. Die Turbine funktioniere dabei quasi wie ein Windrad unter Wasser, so Kolmsee. Kombiniert mit einer Photovoltaikanlage senkt das die Kosten um ein Drittel und den CO2-Ausstoß um 11500 Kilogramm pro Jahr. „Das System eignet sich besonders für landwirtschaftliche Betriebe in Orten, die nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen sind“, erklärt dena-Projektleiterin Gabriele Eichner. „Für zahlreiche Länder ist es eine zuverlässige Art der Stromversorgung, die sich bereits nach fünf Jahren amortisieren kann.“

Kleinwasserkraft für Kolumbien

Efficiency first

Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg solcher Projekte und letztlich des Pariser Klimaabkommens selbst ist Energieeffizienz. Darin waren sich alle Teilnehmer des Energiewende-Dialogs einig. Da sich der Wohnraumbedarf in den Städten zukünftig vergrößern wird, spiele vor allem der Gebäudebereich eine Schlüsselrolle, sagte Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium.

Die dena koordinierte zu diesem Thema am Rande der Konferenz eine Zusammenkunft der Global Alliance for Buildings and Construction (GABC). Die Allianz möchte Staaten motivieren, eigene Energieeffizienzstrategien zu entwickeln und bestehende internationale Initiativen zu bündeln. 50 internationale Experten und Regierungsvertreter diskutierten hier über Strategien und Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs in Gebäuden.

Berlin: Hotspot der Energiewende

Ein weiteres  Highlight des BETD war die Verleihung des „Start Up Energy Transition Award“ auf der BETD-Abendveranstaltung. Vor rund 750 Konferenzteilnehmern sowie Besuchern des parallel von der dena organisierten Tech Festivals zeichnete die dena sechs von ursprünglich über 500 jungen Unternehmen aus 66 Ländern für ihre erfolgversprechenden Geschäftsideen rund um Energiewende und Klimaschutz aus.

Das BETD-Team freut sich über eine gelungene Veranstaltung und natürlich auf den Berlin Energy Transition Dialogue 2018.

Ministerin Zypries hat Recht behalten: Eine ganze Woche lang ist Berlin wieder zum Hotspot der globalen Energiewende geworden – und der internationale Dialog hat damit eine neue Dimension erreicht. „Wir hatten auf dem BETD eine tolle Mischung aus internationalen Experten, Ministern und anderen hochrangigen politischen Vertretern aus der ganzen Welt sowie einer Vielzahl von Start-ups, die frischen Wind mit in die Debatte gebracht haben“, bilanziert auch dena-Chef Andreas Kuhlmann. „Bei der globalen Energiewende ist erfreulicherweise vieles in Bewegung gekommen. Konferenzen wie der BETD sind wichtige Treffpunkte, um sich auszutauschen – über ganz konkrete Projekte und auch über die begleitende globale politische Debatte. Wir freuen uns schon jetzt auf den BETD 2018. Denn je mehr Austausch es untereinander gibt, desto besser können wir voneinander lernen und die Fehler der jeweils anderen vermeiden.“

Alle Fotos bis auf Kolumbien: Copyright @BETD 2017; www.energiewende2017.com.

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