Energieeffizienz

Aha-Effekte für Delegation aus Belarus

Eine belarussische Delegation mit 22 Teilnehmern hat sich bei einem Besuch in Deutschland über energieeffizientes Bauen informiert – ein Thema, das in Belarus immer wichtiger wird. Im Mittelpunkt des Programms standen Qualität und Fortbildung.

Belarus will die Energieeffizienz seiner Gebäude verbessern und einen Markt für energieeffizientes Bauen entwickeln. Dass dafür mehr nötig ist, als gesetzliche Vorgaben anzupassen: Das war eine wichtige Erkenntnis der belarussischen Fachdelegation, die Ende April auf Einladung der dena und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) für fünf Tage nach Deutschland gekommen war. Erstmals reiste eine hochrangige Vertreterin aus dem belarussischen Bauministerium mit – ein Zeichen dafür, dass Energieeffizienz auch in Belarus immer wichtiger wird.

„In Belarus gibt es zwar Experten für Normung, für Bauwesen, für Architektur und vieles mehr – doch nirgends spielt Energieeffizienz in der Ausbildung eine Rolle“, sagt Bastian Stenzel, dena-Projektleiter Osteuropa. Das Programm aus Besichtigungen und Fachvorträgen war daher darauf ausgerichtet, den Besuchern vor allem die Themen Ausführungsqualität und Qualitätskontrolle sowie die Aus- und Weiterbildung von Experten näherzubringen und ihnen Einblicke in die deutsche Praxis zu geben.

Vorträge zu Energieeffizienz und Fortbildungen

„In Belarus gibt es zwar Experten für Normung, Bauwesen oder Architektur – doch Energieeffizienz spielt in der Ausbildung keine Rolle.“

Bastian Stenzel, dena-Projektleiter Osteuropa

Dass dies gelungen ist, zeigten viele Nachfragen der belarussischen Fachexperten. Bei den Begehungen energie-effizienter Wohnhäuser in einer Musterhausausstellung in Wuppertal mit 19 modernen Holz-Fertighäusern und bei der Besichtigung moderner Bürogebäude im Technologiepark Berlin-Adlershof sahen die Gäste „live“, welche Bauqualität für hohe Energieeffizienz erforderlich ist – vorher kannten sie dies zumeist nur aus Vorträgen und von Fotos. Für besondere Aha-Effekte sorgten vor allem zwei Vorträge, welche die Gruppe auch als die Programm-Highlights bezeichneten: Zum einen demonstrierte ihnen im Öko-Zentrum in Hamm der Architekt und Energieberater Jan Karwatzki anschaulich, was an Wissen und Qualifikation erforderlich ist, um beispielsweise einen Energieausweis auszustellen, und welche Fortbildungen es in Deutschland dazu gibt.

Zum anderen zeigte der Vortrag des Prüfsachverständigen Daniel Jerusel zur Qualitätskontrolle am Bau und insbesondere zu den Aufgaben der Prüfsachverständigen für Energieeffizienz in der Bauphase, dass unterschiedliche und gut ausgebildete Experten von zentraler Bedeutung sind; Experten etwa, die dafür sorgen, dass den Anforderungen entsprechend gebaut und saniert wird, die über das Fachwissen verfügen, um Gebäude energetisch zu bewerten, und die kontrollieren, ob die Qualität der umgesetzten Maßnahmen stimmt. „Das praxisnahe Programm war für uns sehr aufschlussreich – insbesondere im Bereich Aus- und Weiterbildung sehen wir großes Potenzial“, sagte Olga Kudrevich, stellvertretende Direktorin der RUP Stroytechnorm, die in Belarus für die Normierung und Zertifizierung im Bauwesen zuständig ist.

Deutsch-belarussischer Expertenrat für energieeffizientes Bauen

Besichtigung moderner Bürogebäude im Technologiepark Berlin-Adlershof Foto: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

Seit 2014 arbeitet die dena mit Vertretern des belarussischen Normungs- und Bauwesens im deutsch-belarussischen Expertenrat für energieeffizientes Bauen an der Entwicklung eines Effizienzmarktes in Belarus. Zu den bisherigen Schwerpunkten zählen neben der Öffentlichkeitsarbeit die Erarbeitung eines technischen Regelwerks für Gebäudeenergieeffizienz, das sich an die europäische Gebäuderichtlinie (EPBD) anlehnt, sowie die Anpassung nachgeordneter Bestimmungen, etwa zur Methodik der energetischen Gebäudebilanzierung. Zur Zusammenarbeit beider Länder gehören auch regelmäßige gegenseitige Fachbesuche.

Neue Ziele: Qualität und Expertenausbildung

Neue Perspektiven zu mehr Energieeffizienz für belarussische Delegierte beim dena-Workshop Foto: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

In Ergänzung zum Wissenstransfer zu gesetzlichen Rahmenbedingungen und technischer Normung  berät der Expertenrat 2017, wie die neuen Regelungen umgesetzt und Standards und Normen eingehalten werden.

  • Wer sorgt im Planungs- und Bauprozess dafür, dass Standards so umgesetzt werden, wie ein Gesetz sie fordert?
  • Wer kontrolliert die Qualität der Bauausführung in Bezug auf energetische Vorgaben?
  • Wie ist der Nachweis der Energieeffizienz in das Baugenehmigungsverfahren integriert?
  • Welche Förderinstrumente haben sich bewährt?
  • Welche Inhalte enthält ein Energieausweis und wer ist dazu berechtigt, ihn auszustellen?

Das sind die Fragestellungen, bei denen die deutschen Erfahrungen für belarussische Experten besonders interessant sind und auf die es während der Delegationsreise viele Antworten gab. Die Impulse des Besuchs werden bereits am 20. Juni wieder aufgenommen und weiter vertieft – denn dann werden die dena-Experten zur nächsten Veranstaltung des Expertenrats nach Minsk reisen.