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Stella Matsoukas

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11.11.2014 - 12.11.2014, Berlin
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12.11.2014

Energiewende muss Innovationswende werden

Kohler: Erneuerbare über Marktinstrumente effizient ins Energiesystem integrieren

Die Reform des Energiemarktes war zentrales Thema auf dem 5. dena-Energieeffizienzkongress. Dabei wurden verschiedene Lösungen für die Optimierung des Stromsystems vorgestellt und diskutiert. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) plädierte insbesondere dafür, erneuerbare Energien nur in dem Umfang auszubauen, wie sie effizient ins Energiesystem integriert werden können. Dazu gehört auch, dass sich ihr Ausbau an den vorhandenen Netzen orientieren beziehungsweise mit dem im Netzentwicklungsplan vorgesehenen Netzausbau synchronisiert werden muss. Dies kann am sinnvollsten über die Direktvermarktung des erzeugten Stromes erfolgen. Wären die Betreiber von Windkraft- und Photovoltaikanlagen dazu verpflichtet, ihren Strom direkt zu vermarkten, würde das zu einem Innovationsschub in der Branche führen.

In der Diskussion über den Umbau des Strommarktes sprach sich Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, dafür aus, das System als Ganzes zu betrachten. „Die Energiewende ist ein komplexes Projekt. Da ist es nicht immer einfach, die übergreifenden Ziele im Blick zu behalten und konkurrierende Partikularinteressen unter einen Hut zu bringen. Aber genau das ist es, was wir brauchen: eine Gesamtstrategie und einen breiten Konsens. Dann können wir das System so optimieren, wie es für eine wirtschaftliche Integration der erneuerbaren Energien nötig ist. Es geht zum Beispiel nicht, dass wir im Norden immer mehr Windkraftwerke aufstellen, an anderen Orten aber, zum Beispiel in Bayern, den Bau von Stromtrassen infrage stellen. Für den Netzausbau haben wir ein transparentes Planungsverfahren. Die im Netzentwicklungsplan definierten Trassen sind dringend nötig.

Durch das kürzlich erst reformierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist nicht gewährleistet, dass der regenerativ erzeugte Strom auch effizient genutzt wird. Die Netzanschlussgarantie, der Einspeisevorrang und die staatlich garantierte Vergütung sind nicht mehr zeitgemäß. Die erneuerbaren Energien sind reif für den Markt und das sollten sie auch zeigen. Wenn wir das schaffen, dann haben wir einen echten Schritt nach vorne gemacht.“

Auch wenn die erneuerbaren Energien sich an den Anforderungen des Marktes orientieren, werden weiterhin fossile Kraftwerke benötigt, um Versorgungssicherheit zu garantieren. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, zeitgleich aus der Atomenergie und der Kohleverstromung auszusteigen. „Bereits im Jahr 2022, wenn das letzte Atomkraftwerk stillgelegt wird, hätten wir ohne Kohlekraftwerke ein Leistungsdefizit, das auch über den europäischen Kraftwerkspark nicht mehr gedeckt werden kann“, betonte Kohler. Versorgungssicherheit ist aber ein wichtiges Standortkriterium für die Industrie in Deutschland. Der Betrieb von konventionellen Kraftwerken rechnet sich jedoch immer weniger. Deshalb ist es dringend erforderlich, ein Modell für einen Kapazitätsmarkt zu entwickeln, das im Bedarfsfall sehr schnell realisiert werden kann und das die Bereitstellung von gesicherter Leistung marktwirtschaftlich gestaltet. Der Kapazitätsmarkt sollte nach Ansicht der dena technologieoffen und europaweit organisiert werden, auch unter Berücksichtigung von Energiespeichern und abschaltbaren Lasten auf der Nachfrageseite.

Um diese Empfehlungen zu untermauern, verwies Kohler auf die Dimensionen des Wandels: „In Deutschland sollen nach den Plänen der Bundesregierung bis zum Jahr 2024 für rund 130.000 Megawatt Photovoltaik- und Windkraftwerke gebaut werden. Die Stromnachfrage schwankt in Deutschland zwischen 30.000 und 80.000 Megawatt. Angesichts dieser Zahlen sollte selbst einem energiewirtschaftlichen Laien deutlich werden, dass hier ein gewaltiger Leistungsüberschuss integriert werden muss. Die Energiewende schafft einen attraktiven Markt für neue Technologien und hochinnovative Unternehmen.“